13. September 2025: Psychische Gesundheit im Fokus

Warum Hinschauen so wichtig ist

Heute fühlt sich laut des Gesundheitsberichts des Kanton Aargau jede siebte Person im Kanton psychisch belastet. Das zeigt: seelische Gesundheit betrifft uns alle. Wir können hinschauen, zuhören und Betroffene unterstützen. Und auch selbst etwas für unser Wohlbefinden tun. Regula Kiechle, Geschäftsführerin vom Aargauer Roten Kreuz erklärt die Hintergründe und zeigt Hilfsangebote auf.

Wie nehmen Sie den aktuellen Zustand der psychischen Gesundheit in unserer Gesellschaft wahr?

Wir beobachten eine zunehmende Belastung in allen Bereichen der Gesellschaft. Stress, hoher Leistungsdruck, die ständige Erreichbarkeit und Ablenkungen durch digitale Medien wirken sich spürbar auf das seelische Wohlbefinden aus. Viele Menschen fühlen sich erschöpft, überfordert oder einsam – Tendenz steigend. Gleichzeitig beobachten wir, dass offener über seelische Gesundheit gesprochen wird und mehr Menschen bereit sind, Unterstützung anzunehmen. Das ist eine vorteilhafte Entwicklung.

Welche Faktoren tragen zur psychischen Belastung bei und gibt es Unterschiede nach Alter, Geschlecht oder sozialer Schicht?

Statistisch trifft es jede 2. Person, die im Verlauf ihres Lebens eine behandlungsbedürftige seelische Krise oder Erkrankung erleidet. Mehrere Faktoren greifen ineinander: Veranlagung, schwelende Konflikte, Stress in der Familie und am Arbeitsplatz, chronische Krankheiten, Armut und Einsamkeit. Der Prozess verläuft meist schleichend. Besonders gefährdet sind Menschen mit geringen Bildungschancen, Alleinlebende oder Arbeitslose. Grundsätzlich kann es jedoch jeden treffen – unabhängig von Alter, Geschlecht oder sozialem Status.

Wie lässt sich seelische Belastungen früh erkennen – und wie wichtig ist dabei das Umfeld? 

Das Umfeld ist sehr entscheidend: Angehörige, Freunde oder Arbeitskollegen bemerken Verhaltensveränderungen meist als erste. Hinschauen, Anzeichen erkennen und sachlich Ansprechen hilft den Betroffenen. Das Aargauer Rote Kreuz bietet dazu einen Kurs «Erste Hilfe für psychische Gesundheit» an. Er befähigt Laien, Warnsignale zu erkennen, wertfrei anzusprechen und die Betroffenen zu ermutigen Hilfe in Anspruch zu nehmen. Kursteilnehmende profitieren auch viel für ihr persönliches Leben.

Was tut das SRK Kanton Aargau für die psychische Gesundheit der Menschen im Kanton?

Alle Angebote des Aargauer Roten Kreuzes haben konkret die Förderung der psychischen und körperlichen Gesundheit im Fokus. Damit Menschen in der Gesellschaft integriert bleiben und Unterstützung im Alltag erhalten, entwickeln wir die Angebote kontinuierlich weiter. Sowohl Klientinnen und Klienten, als auch ihre Angehörigen erfahren Hilfe und können regenerieren.

Welche Wirkung hat freiwilliges Engagement auf das seelische Wohlbefinden?

Zitat einer Rotkreuz-Freiwilligen: «Die Wertschätzung und Dankbarkeit, die ich erhalte, geben mir unheimlich viel Kraft». Wer seine Begabungen und Neigungen in der Freiwilligen-Tätigkeit einsetzt, tut auch für die eigene Seele etwas Gutes. Im Kontakt mit den Rotkreuz-Freiwilligen begegnen mir so viele frohe, aufgestellte Menschen!

Zum Schluss: Was kann jeder für sein eigenes, seelisches Wohlbefinden tun? 

Das ist sehr individuell: Bei mir ist es eine sinnstiftende Arbeit, Beziehungen und das Singen. 

Aber ein paar allgemeine Tipps sind sicherlich: soziale Kontakte pflegen, sich Pausen gönnen und auf Warnsignale des Körpers achten. Bewegung, gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf unterstützen die seelische Gesundheit ebenso wie das bewusste Setzen von Grenzen im Alltag. Und: Hilfe zu suchen ist ein Zeichen von Stärke, nicht von Schwäche.

Erste Hilfe für psychische Gesundheit – Fokus Erwachsene. Ein Kurs für Laien

Jeder zweite Mensch in der Schweiz erleidet einmal im Leben eine psychische Erkrankung. Die Teilnehmenden lernen, wie sie als «Laien» psychische Probleme bei Erwachsenen erkennen, wertfrei ansprechen sowie Betroffene ermutigen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Ort: Rotkreuz-Haus, Buchserstrasse 24, Aarau 

Datum: 10. und 24. Oktober 2025, 08.30 – 17.00 Uhr