In der Tagesstätte Frick und im Tageszentrum Aarau des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) Kanton Aargau begleitet Monika Wiederkehr zusammen mit ihrem Team demenzkranke Menschen und Angehörige durch die täglichen Herausforderungen der Erkrankung.
Demenz wird heute häufiger thematisiert. Wo bestehen dennoch falsche Vorstellungen?
Monika Wiederkehr: Oft wird Demenz auf Vergesslichkeit im Alter reduziert. Tatsächlich betrifft die Erkrankung viel mehr: Handlungsabläufe, Emotionen und Verhalten. Zudem umfasst der Oberbegriff Demenz rund 100 verschiedene Krankheitsbilder. In unserem Tageszentrum Aarau begleiten wir auch jüngere Menschen, unsere jüngste Klientin ist unter 30.
Wie zeigt sich Demenz im Alltag und was bedeutet das für Betroffene und ihr Umfeld?
Meist können alltägliche Dinge für Betroffene grosse Hürden darstellen, wie das Zubereiten einer Mahlzeit oder der Umgang mit Geld und Terminen. Zugleich können sich Fähigkeiten und Wahrnehmung von Tag zu Tag verändern. So kann es sein, dass eine vertraute Person einmal nicht erkannt wird, später dann doch wieder. Diese Schwankungen können das Umfeld verwirren und verunsichern und erfordern viel Einfühlungsvermögen. Jeder Krankheitsverlauf ist zudem individuell und unvorhersehbar.
Sie leiten beim SRK Kanton Aargau die beiden Betreuungsangebote für Demenzerkrankte. Worin unterscheiden sie sich?
Das Tageszentrum Aarau richtet sich an Erwachsene mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen, psychisch oder körperlich. Da steht ein möglichst selbstbestimmter Alltag im Vordergrund, mit sozialen Kontakten und gemeinsamen Aktivitäten. Das Angebot ist auch für Menschen mit Demenz in einer frühen Phase geeignet. Die Tagesstätte Frick ist speziell auf Menschen mit Demenz ausgerichtet, insbesondere in fortgeschrittenen Phasen. Hier braucht es eine enge Begleitung und Betreuung, die sich stark an den individuellen Bedürfnissen orientiert. Beide Angebote sind eine wichtige Entlastung für pflegende Angehörige. Sie bekommen Zeit für sich und ihre Bedürfnisse.
Wie erleben Sie die Situation der Angehörigen?
Viele Angehörige übernehmen mit grossem Engagement Verantwortung. Dabei ist wichtig zu verstehen, dass Demenz über Jahre verläuft und sich die Anforderungen stetig verändern. Irgendwann reicht die häusliche Betreuung allein nicht mehr, um den individuellen Bedürfnissen der demenzkranken Person gerecht zu werden. Spezialisierte Betreuungsangebote können da gezielt unterstützen und ermöglichen weiterhin ein möglichst selbstständiges Leben. Externe Unterstützung ist kein Zeichen von Schwäche oder Scheitern, sondern eine notwendige Anpassung an die Situation.
Was braucht es aus gesellschaftlicher Sicht?
Mehr Bewusstsein für nicht sichtbare Einschränkungen und ein breites Angebot an Betreuungsformen. Eine einzige Lösung gibt es nicht. Da fehlende Krankheitseinsicht ein typisches Symptom ist, ist es wichtig, sich frühzeitig mit dem Thema auseinanderzusetzen – also dann, wenn man noch gesund ist.